Oberin Renate Lippe

Diakonisse sein heute

Empfindungen zum Vortrag der Oberin Renate Lippe

Wie wird man Diakonisse
Die Schwesternschaft besteht seit 1908. Zur Zeit gehören rund 350 Diakonissen dazu. Die Schwesternschaft ist eine große Gemeinschaft in der die Frauen zusammen leben, arbeiten und ihrem Glauben an Jesus Christus nachgehen.

Gott muss es sein, der in das Leben einer jungen Frau hineinspricht und sie persönlich zur Diakonisse beruft. Folgt sie der Berufung in die Schwesternschaft, dienen die ersten beiden Jahre der diakonischen Grundausbildung. Das gemeinsame Leben in der Schwesternschaft, der Unterricht in biblisch-theologischen Fächern und die Mitarbeit in den verschiedenen Arbeitsbereichen des Mutterhauses sind Schwerpunkte in dieser Zeit. Seelsorgerliche Gespräche tragen dazu bei, über den gewählten Lebensweg gewiss zu werden. Danach wird die Schwester als Jungdiakonisse in die Schwesternschaft aufgenommen. Sie erhält eine Berufsausbildung oder wird auf einen ersten Dienstplatz gesandt, der ihrer bisherigen beruflichen Qualifikation und ihren Fähigkeiten und Kräften entspricht. Nach zehnjähriger Zugehörigkeit bekennt sie sich noch einmal vor Gott und der Schwesternschaft dazu, dieser Lebensführung treu zu bleiben.

Von einem Besuch an einem Nachmittag bis hin zum Mitleben in der Schwesternschaft für eine vereinbarte Zeit besteht die Möglichkeit, näheren Kontakt aufzunehmen.

Ehelosigkeit
Die Ehelosigkeit gibt den Schwestern den nötigen Freiraum für Jesus Christus und den Dienst am Menschen. So können die Frauen sich völlig auf Ihre Berufung konzentrieren und genießen ihr Leben in der Gemeinschaft.

Die Tracht
Die Tracht ist ein Bekenntnis zu Jesus Christus und ein Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit. Andere Menschen wissen dadurch sofort, dass diese Frauen ihrer Berufung - dem Glauben an Jesus Christus - folgen. Der Glauben wird durch die Tracht weiter in unsere Gesellschaft transportiert, da sie die Menschen anregt sich mit dem Glauben zu beschäftigen, so entstehen auch Gespräche mit den Schwestern über Jesus Christus.

Lebensstil
Die Schwestern leben aus einer gemeinsamen Kasse. Nur ein geringer Teil wird für die eigene Versorgung eingesetzt, der Großteil wird für missionarisch-diakonische Aufgaben verwandt. Die Vergütung ihrer beruflichen Tätigkeit außerhalb des Mutterhauses stellt die Schwester immer der Gemeinschaft zur Verfügung. Der Konsumzwang tritt völlig in den Hintergrund, dadurch entsteht mehr Freiraum für ihre Berufung.

Arbeiten
Diakonissen wählen ihren Arbeitsplatz nicht selbst, sondern sind bereit, sich senden zu lassen. Sowohl Persönlichkeit, Gaben und Fähigkeiten der einzelnen Schwester, als auch der gemeinsame Auftrag, werden bei der Suche nach der richtigen Aufgabe berücksichtigt. Gebet und gemeinsames Gespräch sind hier unverzichtbar.
Diakonissen arbeiten heute als Krankenschwester, Altenpflegerin, Bademeisterin/ Masseurin, Pflegedirektorin und Lehrerin für Pflegeberufe. Vielfältiger Verkündigungs- und Seelsorgedienst geschieht in Kinder-, Jugend-. Gemeinde- und Gemeinschaftsarbeit, in der Drogenhilfe und im missionarisch-diakonischen Dienst unter Flüchtlingen und ausländischen Mitbürgern. In diesen Bereichen sind Diakonissen tätig als Erzieherin, Gemeindediakonin und Jugendreferentin. Weitere Aufgabenbereiche finden sich in Wirtschaft und Verwaltung. Dort sind Diakonissen z. B. als Köchin, Hauswirtschafterin, Hauswirtschaftsleiterin, Schneiderin, Verwaltunsfachkraft und Buchhalterin eingesetzt.

Empfindungen einer Zuhörerin
Der Vortrag hat mir viele Fragen zum "Diakonisse sein" beantwortet, z.B. warum auch heute noch die Ehelosigkeit oder das Tragen der Tracht notwendig ist. Ich durfte einige Schwestern dieser Gemeinschaft kennenlernen und fühlte mich sehr wohl dabei, sie begegneten mir so offen und freundlich, ohne Vorurteile. Ich bewundere den einfachen Lebensstil der Schwestern und halte ihre Aufgaben für sehr wichtig. Diakonissen sind eine Bereicherung unserer Gesellschaft und ich war überrascht über die vielfältigen Einsatzbereiche der Schwestern.